Der Tanzclub Redoute wurde am 16.11.1959 gegründet. Ehe es aber so weit war, waren schon einige Anläufe ohne Erfolg gemacht worden. Der Initiator der Clubgründung, Herr Josef Bleser, der im Jahre 1999 im Alter von 87 Jahren verstarb, hatte schon 1956 eine Clubgründung versucht. Diese Geschichte sei hier ausführlich erzählt:
Herr Bleser hatte mit seiner Frau einen Tanzkurs gemacht. Nach Ablauf dieses Kurses kam die Idee auf einen Tanzclub zu gründen. Da Herr Bleser als Postbeamter Mitglied im Postsportverein Koblenz war, kam ihm der Gedanke, eine Tanzsportabteilung im Postsportverein ins Leben zu rufen. Er schrieb darum am 17. Juli 1956 einen Brief an den Vorstand des Post-Sport-Verein-Koblenz, der folgenden Inhalt hatte:
Betr.:Gründung einer Tanzabteilung
An den Vorstand des Post-Sport-Vereins-Koblenz OPD
Ich habe den Wunsch, innerhalb des PSV eine Tanzabteilung zur Förderung des Gesellschaftstanzes zu gründen. Ich bin gerne bereit, da ich auf diesem Gebiet schon etwas Erfahrung besitze, die Abteilung als Obmann zu übernehmen. Die Mitglieder der Abteilung müssen natürlich einen Sonderbeitrag zahlen, damit die meisten Unkosten durch die Abteilung selbst aufgebracht werden.
Grundbedingung für die Gründung sind:
- Ein Trainer (Tanzlehrer)
- Ein Übungsraum
- Schallplattenmusik (Verstärkeranlage)
zu Punkt 1 kann ich berichten, dass ich bereits mit einem Tanzlehrer verhandelt habe und er sich auch nach längerer Besprechung bereit erklärt hat, das Training zu übernehmen. Er hat weiterhin bestätigt, dass er in dieser Gründung eine sehr gute Sache sieht, da ja in näherer und weiterer Umgebung etwas ähnliches nicht vorhanden ist (nächster Tanzclub befindet sich in Wiesbaden). Über den Namen des Trainers sowie über die Kosten für denselben möchte ich mich erst bei einer mündlichen Besprechung äußern.
Für die Bereitstellung von Punkt 2 und 3 müsste der Verein Sorge tragen. Als Übungsraum hätte ich mir den Trainingsraum der Tischtennis-Abteilung gedacht. Dort sind auch alle Anschlüsse für eine Verstärkeranlage vorgesehen.
Sollte mein Vorschlag zu verwirklichen sein, bitte ich um baldige Festsetzung einer mündlichen Besprechung, damit die Werbung in Kürze beginnen kann, und wir zum 1. Oktober 56 mit dem Training anfangen können. Ich hatte auch bereits eine Unterredung mit Sportkamerad Schaust, der mir zu dieser schriftlichen Eingabe geraten hat.
Mit sportlichem Gruß
Ende August fand dann ein Gespräch mit dem Vorstand statt, der Herrn Bleser dann aufforderte, ein Rundschreiben an die Mitglieder zu entwerfen und dies dem Vorstand zukommen zu lassen. Herr Bleser schrieb dann an den Vorstand folgende Zeilen und legte diesen den Entwurf des folgenden Rundschreibens bei:
| Josef Bleser | Koblenz, den 5. Sept. 1956 |
Herrn OTI Schlechtriemen OPD
Beiliegend sende ich Ihnen den gewünschten Entwurf als Rundschreiben zu Gründung der Tanzabteilung wie besprochen. Ich hoffe, dass ich nach Ihrer Ansicht nichts vergessen habe.
Mit sportlichem Gruß
| Post Sport-Verein | Koblenz, den 5. Sept. 1956 |
Koblenz
Betr. Gründung einer Tanzabteilung!
An alle Mitglieder!
Der PSV beabsichtigt zum Herbst d.J. eine Tanzabteilung zur Pflege des kultivierten Gesellschaftstanzes zu gründen. Es ist vorgesehen, in den Wintermonaten jede Woche und in der übrigen Zeit alle 14 Tage einen Trainingsabend stattfinden zu lassen. Für die Trainingsabende steht ein Tanzlehrer zur Verfügung. Für eine Partnerin oder Partner kann nicht garantiert werden, daher ist es zweckmäßig, Anmeldungen Paarweise zu machen. (Ehepaare und Brautpaare besonders erwünscht. Alter spielt keine Rolle.) Der monatliche Sonderbeitrag wird voraussichtlich 2.00 DM pro Person betragen. Eine Verpflichtung für ein Jahr ist erforderlich. Interessenten werden gebeten am ........ um ........ Uhr im Trainingsraum der Tischtennis-Abteilung OPD Koblenz zwecks Aussprache zu erscheinen.
Nähere Auskunft erteilt gerne Josef Bleser, FZA, Telf. 384
Mit sportlichem Gruß
Das Rundschreiben, das an alle Mitglieder des PSV gehen sollte, wurde nie an die Mitglieder verschickt. Die Gründe dafür liegen noch heute im Dunkeln. Herr Bleser ließ sich aber dadurch noch nicht von seinem Plan abbringen dennoch eine Tanzsportabteilung zu gründen. Da er im PSV auf taube Ohren stieß, versuchte er es auf eigene Faust. Er inserierte am 25.3.57 unter ZK 7617 in der Rhein-Zeitung Koblenz. Die Anzeige hatte folgenden Wortlaut:
WER MACHT MIT ? Paare die am Tanzsport Interesse haben melden sich bitte unter Chiffre....
Es meldeten sich auf Anhieb 15 Ehepaare, die sich dann in "Dahms Gute Stuben" zu einem ersten Treffen zusammen fanden. Anlässlich dieser ersten Versammlung wurden Einzelheiten über den "Ehepaarkurs" besprochen. Das Training fand einmal in der Woche statt. Ein fester Trainingstag konnte nicht festgelegt werden, da immer wieder erst nachgefragt werden musste, ob und wann einer der beiden Trainingsräume - im Hotel Union oder im Gasthaus zur Post - frei war. Das Training übernahm der Tanzlehrer Brenig aus Koblenz. Nach einem Anfängerkurs und einem Fortschrittkurs war die Teilnehmerzahl so stark geschrumpft, dass man aufgeben musste. Die Gründe dafür, dass diese Gruppe nicht mehr als ein Jahr durch hielt waren wohl darin zu finden, dass die Saalschwierigkeiten zu keinem regelmäßigen Training führen konnten.
Auch dieser Fehlschlag entmutigte Herrn Bleser nicht. Er schrieb erneut eine Eingabe an den Vorstand des PSV. Er lautete:
Josef Bleser FZA An den Vorstand des Post-Sport-Verein Koblenz z.H. v. PR Reeg
| Koblenz, den 11. Juli 1958 Fernspr. 28 381 |
Am 17 Juli 1956 machte ich eine Eingabe zwecks Gründung einer Tanzabteilung innerhalb des Vereins, wonach Ende August eine Besprechung in meiner Gegenwart in mit dem Vorstand stattfand. Die Einleitung der Gründung wurde beschlossen und von mir am 5.9.56 ein Werbeschreiben wie gewünscht an Herrn Schlechtriemen gesandt. Seit diesem Zeitpunkt haben ich in dieser Angelegenheit nichts mehr gehört. Ich nehme an, dass durch den Bau des Bootshauses die Sache in Vergessenheit geraten ist und bitte nochmals um Prüfung. Da nun durch das Bootshaus die Raumfrage geklärt ist, dürfte nach meiner Ansicht einer Gründung nichts mehr im Wege stehen. Abschriften über den bisherigen Schriftverkehr habe ich beigefügt.
Für eine baldige Nachricht wäre ich sehr dankbar, da ich ab 28.7.58 für drei Wochen in Urlaub gehe.
Mit sportlichen Grüßen
Der Vorstand des PSK reagierte indem er Herrn Bleser zu einer Vorstandssitzung wie folgt einlud:
Post-Sportverein e.V. Geschäftsstelle Herr Josef Bleser Koblenz FZA | Koblenz, den 18. August 1958 |
Werter Sportkamerad!
Die nächste Sitzung des Vorstandes, zu der auch die Abteilungsleiter des PSK eingeladen sind, findet am Donnerstag, dem 21. August 1958 um 20.00 Uhr im Clubhaus des PSK statt. Wir bitten Sie herzlich, an dieser Sitzung teilzunehmen. In der Sitzung werden folgende Punkte behandelt:
- Situationsbericht
- Ausrichtung eines Vereinsinternen Sportfestes (Sommerschlussturnen des PSK)
- Gründung einer Tanzabteilung (Vorbesprechung)
- Verschiedenes
Wir bitten Sie, der Geschäftsstelle den Eingang dieser Einladung zu bestätigen.
Herr Bleser schrieb dann nach Ende der Sitzung handschriftlich an die Einladung:
Mit der Aufstellung eines Werbeschreibens beauftragt nach einstündiger harter Debatte.
Dieses Werbeschreiben wurde dann mit Datum vom 7.10.1958 an die Abteilungen gegeben und hatte folgenden Wortlaut:
Betr.: Gründung einer Tanzabteilung:
An alle Mitglieder!
Der PSK beabsichtigt bei entsprechender Beteiligung, in Kürze eine Tanzabteilung zur Pflege des kultivierten Gesellschaftstanzes zu gründen. Es ist vorgesehen, in den Wintermonaten jede Woche, und in der übrigen Zeit alle 14 Tage einen Trainingsabend in unserem Clubhaus stattfinden zu lassen. Für die Trainingsabende steht ein Tanzlehrer als Trainer zur Verfügung. Der monatl. Sonderbeitrag wird voraussichtlich 3,50 DM betragen (Mit Vereinsbeitrag zusammen 5,00 DM). Interessenten werden gebeten, sich bis 25. November 1958 schriftlich oder fernmündlich zu melden. Nach Meldeschluss wird eine unverbindliche Zusammenkunft der Interessenten stattfinden, bei der alle offenstehenden Fragen besprochen werden.
Auch Ehepaare sind erwünscht. Wir möchten auch diejenigen Mitglieder ansprechen, welche wegen ihres Alters keine andere sportliche Tätigkeit ausüben können. Meldungen und Auskünfte erbeten an:
Josef Bleser, FZA, Telf. Nr. 381, oder Egon Quirmbach FA 1, Telf. 876.
Mit sportlichem Gruß! Reeg 1. Vorsitzender
Das Echo war - wohl wegen des Widerstandes der Abteilungsleiter - sehr gering. So wurde schließlich nichts aus der Gründung einer Tanzsportabteilung beim PSK. Wer aber nun glaubte, Herr Bleser würde sein Vorhaben aufgeben, sollte sich getäuscht haben. In der Tanzschule Volkert machte er mit seiner Frau erneut einen Ehepaarkurs mit, der nach der Absolvierung des Fortschrittkurses mit den beteiligten Ehepaaren doch noch zur Gründung des 1. Tanzclubs in Koblenz führen sollte.
Der Ehepaarkurs bei der Tanzschule Volkert war beendet. Wie sollte es weitergehen? - Herr Bleser hatte natürlich, während der gesamten Phase des Ehepaar- und Fortschrittkurses die Paare immer wieder angesprochen oder wie man zu sagen pflegt "vorgeglüht".
Und dann war es auch so weit. Am 6. Oktober 1959 beschlossen die nachfolgend genannten Paare, einen Tanzclub zu gründen. Herr u. Frau Barghorn, Herr u. Frau Bleser, Herr u. Frau Bürger, Herr u. Frau Blum, Herr u. Frau von Canal, Herr u. Frau Hauser, Herr u. Frau Linkenbach, Herr u. Frau Müller, Herr u. Frau Schneider, Herr Stollberg u. Frau Windschügl, Herr u. Frau Weichert.
Diese 11 Paare beauftragten Frau von Canal und die Herren Bürger und Bleser damit, die notwendigen Vorbereitungen für die Gründung eines Tanzclubs zu übernehmen. Diese Vorarbeiten waren am 15. November 1959 abgeschlossen. Bereits einen Tag später, am 16. November fand die Gründungsversammlung statt. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte
- Wahl des Vorstandes
- Vorlesung der durch Herrn Blum ausgearbeiteten Satzung
- Festlegung des Clubnamens
- Festlegung der Clubfarben
- Festsetzung von Aufnahmegebühr und Beiträgen
- Verschiedenes
Die "Mitgliederversammlung wählte folgenden Vorstand und bestimmte, dass er bis zum 31.12.1960 im Amt sein sollte:
| 1. Vorsitzender | Herr Karl Bürger |
| 2. Vorsitzender | Frau Helga von Canal |
| Schriftführer | Herr Josef Bleser |
| Schatzmeister | Heinz Stollberg |
Die von Herrn Blum ausgearbeitete Satzung wurde sehr lebhaft diskutiert aber letztendlich doch mit kleinen Änderungen, so wie sie vorgeschlagen wurde, angenommen. Wichtig aus heutiger Sicht ist wohl, dass schon in der ersten Versammlung beschlossen wurde, den Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht eintragen zu lassen. Diese Eintragung sollte innerhalb eines Jahres, Vorlage und Genehmigung der Satzung geschehen. Man einigte sich auch auf folgenden vorläufigen Namen des Clubs: "Tanz- und Gesellschaftsclub Koblenz"
Allerdings fehlte dem Club das so genannte "Bezeichnungswort" in seinem Namen. Im Gespräch war der Name "Ballaris" und "Atlantis". Es gibt leider keine Aufzeichnungen darüber, wie der Name "Redoute" schließlich entstanden ist. Man sagt, dass die damalige 2. Vorsitzende - Frau von Canal - den Namen ins Gespräch gebracht habe, und er habe bei den Aktiven mehr und mehr an Zustimmung erhalten. In der Öffentlichkeit tauchte der Name dann zum ersten Mal am 20.02.1960 in einem Zeitungsbericht der Rhein-Zeitung Koblenz auf. Dort war eben unter diesem Datum und unter der Rubrik "Koblenzer Lokalanzeigen" folgendes zu lesen:
Auch das gehört zur Großstadt!
Tanzbegeisterte Ehepaare haben den Ersten Koblenzer Tanz- und Gesellschaftsclub "Redoute" gegründet. Unsere Heimat gehörte bisher zu den wenigen deutschen Städten dieser Größe, in denen der Tanzsport noch kein zu Hause gefunden hatte.
Es gelang nicht in dieser Versammlung, die Clubfarben festzulegen. Frau von Canal wurde damit beauftragt aus Stoffresten einige Farbkombinationen zusammenzustellen, damit die Entscheidung am "vorgelegten Objekt" erfolgen konnte.
Für alle an der Gründung beteiligten Mitglieder legte man die Aufnahmegebühr auf 10,- DM fest, alle später eintretenden sollten 20,- DM Aufnahmegebühr bezahlen. Dabei zahlten Einzelpersonen ebenfalls 20,- DM wie Ehepaare. Ein Ehepaar hatte 15,- DM und Einzelmitglieder 8,- DM monatlich als Beitrag im Voraus zu bezahlen. Das galt auch für die Monate, in denen wegen der Ferien kein Training stattfinden konnte. Der neue Schatzmeister bekam schließlich noch den Auftrag, ein Konto bei einer Koblenzer Bank zu eröffnen.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 21.04.1969 wurde die in der Gründungsversammlung konzipierte Satzung endgültig verabschiedet. Damit war auch der Clubname endgültig festgelegt. Auch die Clubfarben Türkis und Gold wurden im Namen genannt. Am gleichen Tag beschloss die Mitgliederversammlung auch, dass der Club sofort beim Amtsgericht in Koblenz eingetragen werden sollte. Der Antrag wurde am 27.06.1960 gestellt. Mit Schreiben vom 19.07.1960 teilte das Amtsgericht Koblenz dem Geschäftsführer des Clubs mit, dass der Club unter der Geschäftsnummer 7 V 515 in das Vereinsregister eingetragen worden sei. Damit durfte der Club seinem Namen das Zeichen e.V. hinzufügen. Sein Name war damit gerichtlich bestätigt und geschützt, die Satzung hatte Gültigkeit, die gerichtliche und außergerichtliche Vertretung des Vereins war geregelt.
Sofort trat der Club in die Öffentlichkeit. Am 09.07.1960 veranstaltete er seinen "Publikationsball". Die Mitgliedschaft im Deutschen Amateur- Tanzsportverband wird mit dem 1. April 1961 verbürgt. Der Club wollte selbst Turniere ausrichten und seine Turnierpaare zu Turnieren schicken können.